Das Hörorgan
Anatomie des menschlichen Ohres
Das Gehörsystem des Menschen umfasst das äussere Ohr, das Mittelohr und das Innenohr, die Hörbahnen sowie die im Grosshirn und im Stammhirn liegenden auditiven Reizverarbeitungszentren. Gesamthaft handelt es sich um ein äusserst kompliziertes und zugleich hochpräzises System. Dieses ist in Aufbau und Wirkungsweise derart komplex, dass es der Forschung bis heute noch nicht gelungen ist, alle wichtigen Funktionen bis ins Detail zu ergründen und erklärbar zu machen.
Schematischer Schnitt durch das menschliche Gehör:
Ohrmuschel (1), Gehörgang (2), Trommelfell (3), Mittelohr (4), Gehörknöchelchen Hammer (5), Amboss (6), Steigbügel (7), Gleichgewichtsapparat (8), Schnecke (9), Hörnerven (10)
Das äussere Ohr
Das äussere Ohr besteht aus der Ohrmuschel und dem leicht gebogenen äusseren Gehörgang. Letzterer wird auch als «Ohrkanal» bezeichnet. Er weist eine durchschnittliche Länge von 23 Millimetern und einen Durchmesser von 6 bis 8 Millimetern auf. In seinem äusseren Drittel befinden sich die Ceruminaldrüsen. Diese produzieren das Ohrenschmalz, dessen Aufgabe es ist, das Ohr vor eindringenden Schmutzpartikeln zu schützen.
Das Mittelohr
Zwischen dem Gehörgang und dem Mittelohr befindet sich das Trommelfell, welches einen Durchmesser von ca. 10 Millimetern aufweist und als Empfänger der Schallwellen dient. Mit dem Trommelfell fest verbunden ist der Hammer, ein Knöchelchen, das zusammen mit dem Amboss und dem Steigbügel für eine Übertragung der Schallwellen zum Innenohr sorgt. Die Gehörknöchelchen sind winzig klein; der Steigbügel als deren kleinstes weist knapp die Grösse eines halben Reiskorns auf. Zwischen dem Mittelohr und dem Rachenraum besteht eine direkte Verbindung – die Eustachischen Röhre – die für einen permanenten Druckausgleich im Mittelohr sorgt
Das Innenohr
Die Fussplatte des Steigbügels wiederum ist mit der Ohrschnecke – die fachsprachlich «Cochlea» genannt wird – verbunden. Dabei handelt es sich um eine spiralenförmig gewundene Röhre von ca. 32 mm Länge und zweieinhalb Windungen Steigung. Die Röhre wird durch zwei Membrane in drei «Schläuche» unterteilt, die mit zwei unterschiedlichen Flüssigkeiten gefüllt sind. Zwischen den beiden Flüssigkeiten besteht eine elektrische Spannung, die die Wirkung einer Stromquelle entfaltet – einer bioelektrischen Batterie gleichsam, welche die für die Reizaufnahme und -weiterleitung erforderliche elektrische Energie liefert.
Das Cortische Organ
Auf der in der Mitte der Röhre verlaufenden Basilarmembran befindet sich das Cortische Organ mit seinen rund 20 000 Haarzellen, die in einer inneren und drei äusseren Reihen angeordnet und in 24 Gruppen unterteilt sind. Jede dieser Haarzellen-Gruppen spricht auf die Töne einer bestimmten Frequenz – bzw. eines bestimmten Frequenzband-Abschnitts – an. Töne hoher Frequenzen werden dabei im vorderen, solche tieferer Frequenz im hinteren Teil der Cochlea wahrgenommen.
Die Haarzellen
Die Haarzellen – deren Aufgabe es ist, mechanische in bioelektrische Impulse umzuwandeln – sind äusserst sensible und verletzliche Organe, die durch Überstrapazierung schwer geschädigt werden können. Die meisten Fälle von Schwerhörigkeit sind auf eine Schädigung der Haarzellen durch zu laute und zu lange Lärm-Einwirkung auf das Ohr zurückzuführen.
Der Hörnerv
Die von den Haarzellen abgegebenen bioelektrischen Impulse werden vom Hörnerv aufgenommen – einer komplexen, aus rund 30 000 Fasern bestehenden Nervenbahn, die das Innenohr mit dem Hörzentrum im Gehirn verbindet.
Der Gleichgewichtsapparat
Zum Innenohr gehört auch der Gleichgewichtsapparat, der aus zwei kleinen Bläschen – dem Sacculus und dem Utriculus – sowie drei Bogengängen besteht. Sacculus und Utriculus enthalten winzige Kalksteinchen, deren Position sich – bedingt durch die Schwerkraft der Erde – analog zur Lage des Kopfes verändert. Die Bogengänge wiederum reagieren auf Flüssigkeits-Bewegungen, die durch die Drehbewegungen des Kopfes ausgelöst werden.